Myofunktionelle Therapie

Unsere Verbandsmitglieder kommen aus verschiedenen abgeschlossenen Grundberufen, absolvierten ein zweijähriges MAS Studium der medizinischen Fakultät der Universität Basel und sind spezialisiert auf myofunktionelle Behandlungen. Der interdisziplinär durchgeführte Studiengang berücksichtigt - unter Einbezug neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse - die heutigen Gegebenheiten und Bedürfnisse. 

In unserem Berufsverband vertreten wir das im Studiengang vermittelte fächerübergreifende Konzept der körperorientierten Sprachtherapie k-o-s-t® nach S. Codoni und das darauf aufbauende ganzheitlichen Konzept «Basler Lällekonzept der myofunktionellen Therapie». Verschiedenene Krankenkassen bieten in ihrer Zusatzversicherung anerkannten Therapeuten einen Kostenbeitrag bei der Myofunktionellen Therapie an. Die Abklärung einer Kostengutsprache liegt in der Verantwortung der Patienten und ihrer Angehörigen.

Im Zentrum dieser Therapie stehen die Funktion der Zunge mit dem Zungenvorstoss an die Zähne und die den Mund umgebenden Muskelketten. Diese sind ihrerseits durch die Faszienstrukturen und Muskelketten über den ganzen Körper miteinander verbunden. Nach unserem Verständnis zeigen myofunktionelle Störungen im Gesichtsbereich Auswirkungen auf den gesamten Körper, z. B. auf die Haltung. 

  • Myofunktion = Muskelfunktion - bezogen auf den ganzen Körper (z. B. Körperhaltung) 
  • Myofunktionelle Störung - falsche orale Schluckfunktion und daraus resultierend Sprechstörung 
  • Myofunktionelle Therapie - trainiert die Basisfunktionen - ganzkörperbezogen. 

In unserem Berufsalltag des/r myofunktionellen Therapeuten/-in liegt der Fokus auf der interdisziplinären Zusammenarbeit u.a. mit der Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Kieferchirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO), Physiotherapie, Logopädie, Osteopathie, Craniosacraltherapie.

Die verschiedensten Diagnostik - und Behandlungsmethoden werden - unter Berückichtigung der gesamten Körperhaltung - klientenbezogen zielgerichtet, sinnvoll und patientenorientiert in der Therapie-Planung zusammen mit der Familie abgestimmt. Mit diesen Voraussetzungen und im Team mit Eltern und Kind, kann die Durchführung attraktiv gestaltet, effektiv, ökonomisch und erfolgreich durchgeführt werden und so zu einem befriedigenden Ergebnis führen. 


Das vielfältige Erscheinungsbild

Kinder und Jugendliche

Was im frühen Kindesalter noch putzig klingen mag, die Zahnlücke zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen mit der beim Sprechen vorschiessenden kleinen Zunge («Lispeln»), entpuppt sich später als behandlungsbedürftiger Fall mit Bezeichnungen wie Sprechstörung, Zahnfehlstellung, Zungenvorschub beim Schlucken, habituelle Mundoffenhaltung, vergrösserte Hals- und Rachenmandeln (Tonsillenhyperplasie), häufig Erkältungen, Schnarchen u.a.m.

Myofunktionelle Therapie - Erscheinungsbilder












Betroffene Kinder lispeln, atmen geräuschvoll durch den Mund, und die Lippen sind etwas dicklich, spröde, die Zunge ist gross, gelegentlich tropft Speichel aus dem Mund, der Gesichtsausdruck wirkt seltsam schlaff, die Schultern hängen, der Gang ist instabil und schwer fällig. Oft kauen sie mit offenem Mund, schmatzen und sitzen schief auf dem Stuhl beim Essen, lutschen am Daumen, an den Haaren, u.a.m., beissen an den Lippen, zupfen Häutchen, benutzen den Schnuller und Nuckelflasche mit gesüsstem Tee oft bis ins Kindergartenalter, fallen auf durch «speichelndes Schnuller-Sprechen». Die Zunge liegt zwischen den Zähnen. Die Speichelkontrolle ist mangelhaft. Die Zungenfehlfunktion führt oft zu einer Zahnfehlstellung (z. B. offener Biss). Die Kinder sind oft erkältet und werden wegen ihres gesamten Erscheinungsbildes zu Unrecht als «schwer von Begriff » beurteilt - das Problem ist heute jedoch aktueller denn je. Kinderärzte, Logopäden, Zahnärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Eltern sind täglich damit konfrontiert. 

Kinder mit speziellen Lebensläufen wie z. B. Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Gesichtsfehlbildungen, mit Trisomie 21, mit Zerebralparese und weiteren haben als Begleiterscheinung ein muskuläres Ungleichgewicht im Gesichtsbereich.

Erwachsene

Bei Erwachsenen wird die myofunktionelle Störung oft sichtbar nach einer Zahnbehandlung, nach kieferorthopädischen Korrekturen, bei Auftreten von Zungenbrennen, Kiefergelenkbeschwerden, bei Brücken - und/oder Prothetikversorgung. Sie tritt in den seltensten Fällen isoliert auf und ist vielfach vergesellschaftet mit Kopfschmerz, Rückenproblemen oder weiteren körperlichen Unpässlichkeiten. Ein spezieller Fokus richtet sich auf Patienten mit Erkrankungen rund um den Mund, auf Gesichtsverletzungen nach Unfällen, auf Operationen, auf den älteren Menschen.